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Wie geht Schulsozialarbeit in Neuenkirchen weiter?

Wie geht es weiter mit der Schulsozialarbeit in der Samtgemeinde Neuenkirchen? Fakt ist, dass zum Ende des Jahres das Hauptschulprofilierungsprogramm (Berufsorientierung) ausläuft. Noch bis Sommer 2017 geht das von Samtgemeinde und dem Landkreis finanzierte Schulbegleiterprojekt weiter.


Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (rechts) zeigte sich vor Jahresfrist begeistert von der an der Oberschule Neuenkirchen geleisteten Arbeit.
Foto: Christian Geers

Bislang arbeitet die Samtgemeinde Neuenkirchen als Schulträger der Oberschule sowohl bei der Hauptschulprofilierung als auch in Sachen Schulbegleiter an den Grundschulen in Neuenkirchen, Merzen und Voltlage mit der Fuchs Konzepte gGmbH zusammen. Zum 1. Januar 2017 wird das Land Niedersachsen jedoch selbst in die Schulsozialarbeit verstärkt einsteigen und zu einem leistungsfähigen Beratungs- und Unterstützungssystem ausbauen. Dieser Ausbau ist der Flüchtlingssituation und der fortschreitenden Inklusion geschuldet und ist vom Landtag bereits vergangenes Jahr beschlossen worden.

Eckdaten vorgestellt

Auf dem Fachtag Schulsozialarbeit in Hildesheim hat Knuth Erbe vom Kultusministerium in der vergangenen Woche das Grobkonzept „Soziale Arbeit in schulischer Verantwortung“ vorgestellt. Wenn das Konzept „in trockenen Tüchern“ ist, dann sollen die Schulen und die Schulträger angeschrieben und auf die anstehenden Veränderungen hingewiesen werden. Es stellt sich nach Aussagen von Fuchs Konzepte jedoch die Frage, ob Schulen und Landesschulbehörde in der Lage sind, als Träger die zentralen Aufgaben der Sozialen Arbeit bewältigen zu können.

Offener Brief an Ministerin

Von daher wendet sich der zertifizierte Bildungsträger, der an der Oberschule Neuenkirchen hervorragende Arbeit leistet, in einem offenen Brief an Ministerin Frauke Heiligenstadt und an die Mitglieder des Kultusausschusses und wirbt dafür, die bestehenden fachlichen und personellen Ressourcen der Jugendhilfe und der Bildungsträger weiterhin zu nutzen, um der Schulsozialarbeit in Niedersachsen eine echte Entwicklungschance zu geben und nicht Strukturen zu zerstören, „die an vielen Schulstandorten dafür sorgen, dass Schulsozialarbeit als unabhängige Profession gelingen kann“.

Und auch Karin Beyreuther, bereits seit 2008 an der Oberschule Neuenkirchen in der Schulsozialarbeit tätig, befürchtet, dass durch das neue Konzept, das nicht nur Berufsorientierung als Tätigkeit vorsieht, es eher zu einer Verschlechterung statt einer Verbesserung vor Ort komme.

Fest steht bereits, auch wenn es noch kein fertiges Konzept aus dem Kultusministerium gibt, dass die Oberschule Neuenkirchen wohl weiter eine Stelle für Schulsozialarbeiter behalten dürfte. Interessierte Sozialarbeiter können sich, sobald die Ausschreibungen heraus sind, bei der Landesschulbehörde auf die Stelle bewerben.

Auf Stelle bewerben

„Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt“, so Ruth Klaus-Karwisch, Fachbereichsleiterin im Neuenkirchener Rathaus. Die Samtgemeindeverwaltung hofft jedoch, „dass sich die bisherige Stelleninhaberin auch bewerben wird“.

 

Der offene Brief zur Schulsozialarbeit in Niedersachsen von Fuchs Konzepte:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die niedersächsische Landesregierung hat den Ausbau von Schulsozialarbeit in Niedersachsen beschlossen und will mit ihrem Konzept der „Sozialen Arbeit in schulischer Verantwortung“ zum 01.01.2017 die Schulsozialarbeit zu einem innovativen und leistungsfähigen Beratungs- und Unterstützungssystem ausbauen.

Der Ausbau der hierfür erforderlichen personellen Ressourcen und die dauerhafte finanzielle Absicherung von Schulsozialarbeit sind sehr zu begrüßen, aber leider geht das Konzept „Soziale Arbeit in schulischer Verantwortung“ nach Meinung vieler Träger von Schulsozialarbeit sowie vieler Expert/innen und sozialpädagogischer Fachkräfte in einem entscheidenden Punkt in die falsche Richtung: Denn um Schulsozialarbeit dauerhaft an allen Schulformen in Niedersachsen zu etablieren, ist es nicht erforderlich, die vielfach sehr professionelle Arbeit freier Bildungsträger (z.B. im ehemaligen Profilierungsprogramm) und damit die über viele Jahre geschaffenen Strukturen und Netzwerke der sozialen Arbeit z.B. im Übergang Schule-Beruf in ihrem Fortbestand zu gefährden. Weitaus sinnvoller erscheint es, gute Strukturen zu erhalten und zu nutzen und die Erfahrung und Qualität der bei Bildungsträgern, Jugendhilfeträgern oder Kommunen beschäftigten Fachkräfte konstruktiv in die konzeptionelle Planung einzubeziehen. Vielfalt, Diversität und Pluralität in der Schulsozialarbeit sind ein Gewinn für alle Seiten.

Ich bitte Sie daher:

•Nutzen Sie das Knowhow freier Bildungsträger, die als verlässliche Kooperationspartner von Schulen und Schulträgern zu einem großen Teil hervorragende Arbeit leisten und nicht nur im Handlungsfeld Berufsorientierung sowohl Lehrkräfte als auch Eltern und Familien enorm entlasten.

•Nutzen Sie die Berufserfahrung und die fachliche Qualifikation aller aktiven Schulsozialarbeiter/innen als eine wertvolle Ressource für den landesweiten Aufbau verlässlicher und professioneller Strukturen in der Schulsozialarbeit.

•Geben Sie dem Wettbewerb um gute Schulsozialarbeit in Niedersachsen eine Chance. Wettbewerb ist keine Garantie für mehr Qualität in der Sozialen Arbeit, aber mit Sicherheit auch kein Hindernis.

•Ermöglichen Sie den Schulen eine Kapitalisierung der für den Schulstandort veranschlagten Finanzmittel und lassen Sie die Entscheidungsträger in Schule selbst und ohne Direktive wählen, ob sie ggf. Bildungs- und Jugendhilfeträger als Kooperationspartner mit der Schulsozialarbeit an ihrem Schulstandort beauftragen wollen.

•Überlassen Sie es jedem einzelnen Schulstandort, die Aufgaben und Handlungsfelder von Schulsozialarbeit entsprechend dem Bedarf zu definieren und in verbindlichen Planungsprotokollen festzuschreiben. Das verhindert Beliebigkeit und schafft Verlässlichkeit, die Soziale Arbeit im Kontext Schule dringend benötigt.

Geben Sie der Schulsozialarbeit in Niedersachsen im Sinne einer familienunterstützenden Jugendsozialarbeit eine echte Chance!


Ein Artikel von Josef Pohl / Bersenbrücker Kreisblatt
http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/721328/wie-geht-schulsozialarbeit-in-neuenkirchen-weiter