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Asbest-Fund bei Grabenarbeiten in Neuenkirchen

Silofolie, Metall, Kunststoff, Spritzen und Reste von asbesthaltigen Zementfaserplatten holte ein Bagger ans Tageslicht, als er einen Graben freilegte. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln, die Gemeinde Neuenkirchen sucht Zeugen und hat eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt.

Die Gemeinde Neuenkirchen versucht, mit Polizei und Staatsanwaltschaft einen Fall von illegaler Müllentsorgung zu klären. Der spielt sich im östlichen Gemeindegebiet an der Straße Lünort ab, genauer gesagt, an einer etwa 460 Meter langen Abzweigung. Dort soll ein von der Kommune beauftragtes Unternehmen an einer Gemeindestraße einen Entwässerungsgraben freilegen. Doch was die Baggerschaufel zutage fördert, sorgt im Rathaus erst einmal für sprachloses Entsetzen: Jede Menge Müll, der zum Teil eine Gefahr für Natur und Mensch darstellt.

Wasser auf dem Acker

Doch der Reihe nach: Im Frühjahr meldet sich der Besitzer eines Ackers, der an den Gemeindeweg grenzt. Er macht die Gemeinde darauf aufmerksam, dass Teile des Feldes gerade nach starken Regengüssen regelmäßig unter Wasser stehen. Der Pächter habe den Eigentümer darauf aufmerksam gemacht, dass das Oberflächenwasser nicht abfließen könne, berichtet Reinhold Ricke. Der Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen im Rathaus Neuenkirchen zieht aktuelles Kartenmaterial zurate und stellt fest, „dass sich an dieser Stelle eigentlich ein Graben befinden müsste“.

Graben auf einer Länge von 300 Metern zugeschüttet

Klarheit bringt ein Ortstermin am Lünort: Besagter Graben ist auf einer Länge von etwa 300 Metern zugeschüttet worden. Schnell stellt sich die Frage nach dem Verursacher, denn: „Die Gemeinde hat den Graben nicht verfüllt“, stellt Ricke klar. Der Fall nimmt den üblichen Gang: Wegeausschuss und Gemeinderat beschließen, eine Firma zu beauftragen, die den Graben wieder herstellen soll, damit dem Pächter der Ackerfläche durch nicht ablaufendes Wasser kein weiterer Schaden entsteht. Wie und wann der Graben bereits zugeschüttet wurde, lasse sich nicht ermitteln, so Reinhold Ricke. Die Straße werde überwiegend von Landwirten genutzt und verlaufe sich irgendwann.

Auftrag an Firma

Mitte Oktober rückt die Voltlager Firma Jasper an. Doch kaum hat der Bagger die ersten Schaufeln Erdreich ans Tageslicht geholt, machen die Mitarbeiter eine erstaunliche Entdeckung. Es findet sich reichlich Müll im Aushub: Folien, Kunststoff- und Metallreste, Rohre, die Stoßstange eines Autos, ein Ölfilter, Spritzen, wie sie in der Tiermedizin verwendet werden, sowie Reste von Faserzementplatten. Die Mitarbeiter sind alarmiert und melden den Fund der Gemeinde. Die befördert den Aushub aufs Bauhofgelände, um ihn sicherzustellen. „Denn es bestand die Vermutung, dass die Bruchstücke der Zementplatten Asbest enthalten könnten“, erläutert Ricke.

Kunststoffschläuche und sogar eine Stoßstange fanden die Mitarbeiter der Gemeinde Neuenkirchen, als sie den Aushub näher untersuchten. Foto: Gemeinde Neuenkirchen

Fachlabor nimmt Proben unter die Lupe

Die Kommune informiert den Fachdienst Umwelt des Landkreises Osnabrück, der die Umweltermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Osnabrück auf den Fall in Neuenkirchen aufmerksam macht. Schnell wird aus der Vermutung über eine mögliche Kontaminierung ein wasserdichter Fakt: In Proben des Aushubs, die ein Fachlabor untersucht, ist Asbest nachzuweisen. Die Polizei legt den Fall von Amts wegen der Staatsanwaltschaft Osnabrück vor. Denn bei dieser illegalen Müllentsorgung handelt es um keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern um eine Straftat.

Auf der Suche nach dem Verursacher

Gemeinde, Polizei und Staatswaltschaft sind seither auf der Suche nach dem Verursacher. Zum einen, damit er sich für diese Müllentsorgung verantworten muss, zum anderen, um von ihm die Kosten für die Entsorgung der zum Teil giftigen Hinterlassenschaften erstattet zu bekommen. „Das wird ein Betrag im deutlich fünfstelligen Bereich werden“, erläutert Reinhold Ricke. Das Erdreich müsse wegen der Asbestverschmutzung unter Schutzbedingungen ausgebaggert, abtransportiert und auf einer Deponie gelagert werden. Das könne nur durch eine Fachfirma erfolgen, die über das dafür erforderliche Know-how verfüge.

Kopfschütteln im Rathaus

Auch Gemeindedirektorin Hildegard Schwertmann-Nicolay kann nur den Kopf schütteln. „Das ist kein Kavaliersdelikt mehr“, sagt sie. Zumal diese Art der Müllentsorgung völlig unverständlich sei: Silofolien könnten bei Genossenschaften abgegeben werden, auch für den übrigen Müll gebe es genügend legale Möglichkeiten

Gemeinde setzt Belohnung von 1000 Euro

Angesichts der hohen Kosten für eine ordnungsgemäße Beseitigung des Mülls hat sich die Gemeinde Neuenkirchen entschieden, für Hinweise, die den Verursacher ermitteln helfen, eine Belohnung von 1000 Euro auszusetzen. „Das ist zu vertreten angesichts des Ausmaßes“, sagt die Gemeindedirektorin. Es könne nicht sein, dass der Steuerzahler – und damit die Allgemeinheit – für die Beseitigung dieses Mülls aufkommen müsse.

Gemeinde hofft auf sachdienliche Hinweise

Hinweise in dieser Angelegenheit nimmt das Ordnungsamt der Gemeinde Neuenkirchen, Telefon 05465/20125 (Dieter Westermann), entgegen.

 

Ein Artikel von Christian Geers / Foto von Gemeinde Neuenkirchen / Bersenbrücker Kreisblatt
http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/806333/asbest-fund-bei-grabenarbeiten-in-neuenkirchen#gallery&0&1&806333