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„Uns allen blüht der Tod“ Expertentag zum Thema Tod an der Oberschule Neuenkirchen

Neuenkirchen. Es war eine intensive Begegnung: 38 Zehntklässler der Goode-Weg-Schule Neuenkirchen haben sich im Unterricht mit Tod und Trauer beschäftigt – und Menschen gefragt, die – jeder auf seine Weise – nahezu tagtäglich mit dem Ende des menschlichen Seins auf Erden zu tun haben.

„Uns allen blüht der Tod“ heißt das Unterrichtsprojekt der beiden 10. Klassen der Neuenkirchener Oberschule. Im Religionsunterricht haben Cornelia Heimbrock und Adalbert Wegmann mit den Heranwachsenden über den Tod gesprochen. Die beiden Pädagogen wissen: Die Gesellschaft tabuisiert das Thema, obwohl Jugendliche längst jeden Tag mit Tod und Trauer konfrontiert werden. Doch viele Fragen bleiben offen, wenn es um das Ende des Menschen geht. So entstand ein Schulprojekt, bei dem Schüler die Gelegenheit bekommen, Experten, für die der Tod zum Alltag gehört, Fragen zu stellen. Denn der Tod macht neugierig.

20 Experten in der Goode-Weg-Schule

Der trübe Novembertag passt irgendwie zum Anlass. In der Mensa treffen 20 Experten ein – Pastorin, Hospizbegleiterin, Gemeindereferentin, Feuerwehrmann, Notfallseelsorger, Steinmetz, Rechtsanwalt, Arzt, Trauer- und Hospizbegleiterin, Bestatter, Bankmitarbeiter und Standesbeamtin. Sie alle sollen ihren Umgang, ihre Erlebnisse und ihre Empfindungen mit Tod, Trauer und Tränen schildern. „Der Tod läuft uns ständig über den Weg“, sagt Oberschulrektor Ernst-August Schulterobben. Es sei deshalb auch für die Schule ganz wichtig, „sich damit zu beschäftigen und den Tod als Thema nicht auszublenden“.

Einsätze für Rettungskräfte oftmals eine Belastung

Eine gute Stunde haben die Schüler Zeit, ihre Fragen loszuwerden. In Zweier- und Dreiergruppen aufgeteilt, ziehen sich die Schüler in die Klassenräume zurück. Isabelle und Lisa hören gebannt zu, als Herbert Kempe und Eva-Maria Meese über ihre Erlebnisse berichten. Die beiden sind Mitglieder der Feuerwehr Neuenkirchen und schon oft mit dem Tod konfrontiert worden. Sie zeigen Fotos von Unfällen und Bränden, bei denen Menschen zu Tode kamen. „Da ist es wichtig, ein Auge auf die Kameraden zu haben“, sagt Eva-Maria Meese. Denn trotz Routine bedeutet ein solches Unglück für viele Rettungskräfte oftmals eine enorme psychologische Belastung. Zwar gebe es bei der Alarmierung ein Einsatzstichwort, „aber man fährt doch mit einer gewissen Anspannung zum Einsatzort“, so Meese.

Notfallseelsorger leisten „Erste Hilfe für die Seele“

Einen Einblick in die Notfallseelsorge gibt auch Ludger Pietruschka. Seine Aufgabe: „Erste Hilfe für die Seele zu leisten“, berichtet er im Gespräch mit Pit und Konstantin. 24 Stunden täglich, sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr stehen der Notfallseelsorger aus Nordhorn und seine Kollegen bereit, um Menschen in seelischen Notlagen professionell zu betreuen und zu begleiten. Sie leisten Beistand im schwersten Augenblick, helfen Angehörigen, das Geschehen zu verarbeiten, stehen Rettungskräften zur Seite und sind für Polizeibeamte, die Todesnachrichten überbringen müssen, da.Ob man sich auf den Tod vorbereiten könne, wollen die Schüler wissen. Nein, das könne man nicht, sagt Ludger Pietruschka. „Es kann aber eine Hilfe sein, wenn man seine eigenen Gefühle gut kennt.“

Einblicke in die Arbeit des Standesbeamten

Welche Unterlagen ein Standesamt benötigt, um den Tod eines Menschen zu beurkunden, erklärt zeitgleich Natalja Federer Jan und Marvin. Die staunen nicht schlecht, dass es gut und gerne 30 Minuten dauert, um das Ende des Menschen behördlich zu besiegeln, vorausgesetzt, alle Dokumente liegen vor.

Vorbildliches Unterrichtsprojekt

Zum Abschluss schildern die Schüler ihre Eindrücke, während die Experten beeindruckt sind. Die Jugendlichen seien exzellent vorbereitet gewesen und hätten großes Interesse gezeigt, sagt Steinmetz Markus Tschörtner. Gut, dass die Schule sich diesem Thema widme, und dies auf eine Art und Weise, die vorbildlich sei, laut das Fazit.

 
 
Zur Sache


Projekt über Tod und Trauer

Das Unterrichtsprojekt „Und allen blüht der Tod“ gibt es seit 2008 an der Goode-Weg-Schule Neuenkirchen. Entwickelt haben es die Lehrer Cornelia Heimbrock und Adalbert Wegmann, weil das Thema Tod im Religionsunterricht viele Fragen aufwirft. Die Oberschüler haben während eines „Expertentages“ Gelegenheit, Fragen zu stellen. Alle Befragten haben eines gemeinsam: Der Tod gehört für sie zum Alltag. Jeweils zwei bis drei Schüler arbeiten einen Fragenkatalog ab. Die Antworten präsentiert jede Gruppe dann den Mitschülern. cg

(Bildunterschrift)
Viele Fragen stellten Isabelle und Lisa ihren Experten: Eva-Maria Meese und Herbert Kempe von der Feuerwehr Neuenkirchen berichteten über ihre Erfahrungen und Umgang mit Tod, Trauer und Tränen am Einsatzort. Foto: Christian Geers

Ein Artikel von Christian Geers / Bersenbrücker Kreisblatt
http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/808024/expertentag-zum-thema-tod-an-der-oberschule-neuenkirchen