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Caritas beschreitet neue Wege in Merzen

Mit dem Gemeinschaftshaus St. Franziskus in Merzen beschreitet die Caritas Nordkreis Pflege neue Wege in der Betreuung Pflegebedürftiger. Ein klassisches Pflegeheim entsteht in Merzen nicht.

Rudi Fissmann ist sich sicher: Am 1. April wird in Merzen eine Vision Wirklichkeit, die nicht nur die Caritas Nordkreis Pflege sondern auch die Gemeinde in den vergangenen Monaten beschäftigt hat. Inzwischen liegt ein Betreuungskonzept für das Gemeinschaftshaus St. Franziskus vor, von dessen wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Modellhaftigkeit der Geschäftsführer überzeugt ist.

Während des Bürgertreffens stellten Fissmann und Berthold Eich, Prokurist der Caritas Nordkreis Pflege GmbH, das Betreuungskonzept der Einrichtung vor. Die Herausforderung habe darin bestanden, das ursprünglich geplante Kleinstpflegeheim mit 15 Plätzen wirtschaftlich zu betreiben und für Betroffene bezahlbar zu machen. Herausgekommen sei anstelle eines vollstationären Pflegeheims eine ambulante Versorgung.

Blick auf die demografische Entwicklung bis 2030

Ausführlich stellte Fissmann den Trägerverbund Caritas Nordkreis Pflege GmbH vor, unter dessen Dach auch das Haus Franziskus geführt wird. Anhand der demografischen Entwicklung erläuterte er, dass es im Altkreis Bersenbrück und damit auch in Merzen ab 2030 einen „riesigen Bedarf“ an Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen geben werde. 2030 würden in Merzen etwa 360/370 Menschen älter als 75 Jahre sein, gut 100 mehr als zurzeit.

Eich: Bürgermeister Schröder ließ sich nicht beirren

Zufrieden mit dem gefundenen Konzept ist auch Berthold Eich. Er verhehlte nicht, dass die ursprünglichen Pläne, in Merzen ein vollstationäres Pflegeheim mit 60 Plätzen zu bauen, „nicht so angesagt waren“. Es habe zwar „starken Gegenwind“ gegen das Vorhaben gegeben, aber Bürgermeister Gregor Schröder habe sich nie beirren lassen, sei weiter gegen den Strom geschwommen und habe an den Plänen festgehalten. „Wir haben dann zueinander gefunden“, so Eich. Nun entstehe in Merzen mit dem Haus Franziskus eine kleinere Einrichtung, die aber habe Modellcharakter, was auch dank der seit 1. Januar geltenden Neuregelungen in der Pflegeversicherung möglich sei.

Tagespflege „Herzstück“ des Hauses

Herzstück der Merzener Pflegeeinrichtung ist die Tagespflege mit 27 Plätzen in zwei Gruppen im Erdgeschoss. Sie steht zum einen den 15 Bewohnern offen, die pflegebedürftig sind und eine der 15 Mietwohnungen bezogen haben, die zusammen eine ambulant betreute Wohngemeinschaft bilden. Mitarbeiter des Caritas-Pflegedienstes Fürstenau/Neuenkirchen übernehmen tagsüber die Betreuung sowie die hauswirtschaftliche Unterstützung. Zur Nachtzeit gibt es eine Nachtwache, die die Versorgung aller Bewohner sicherstellt – auch derjenigen, die in den zwölf betreuten Wohnungen leben, die die Gemeinde in einem anderen Gebäudetrakt anbietet. Diese Nachtwache sei mit der in einem vollstationären Pflegeheim vergleichbar.

Leben wie in einer Großfamilie

Zum anderen steht die Tagespflege auch Senioren offen, die zum Beispiel in Merzen (oder einem anderen Ort) wohnen und tagsüber das Angebot der Caritas nutzen möchten. „Ganz sicher modellhaft sind die Öffnungszeiten unserer Tagespflege“, sagte Eich: Sie ist montags bis sonntags von 8 bis 19 Uhr geöffnet. „Das ist ein Novum.“ Die Tagespflege biete für interne wie externe Besucher vielfältige Angebote: Kochen, Backen, Mobilitäts- und Erinnerungstraining und vieles mehr. „Es geht darum, die Kompetenzen und Fertigkeiten der Besucher zu fördern. Das ist ein Leben wie in einer Großfamilie.“ Geleitet wird die Tagespflege von Erika Gödiker, die die Pflegedienstleitung übernehmen wird.

„Kein klassisches Altenheim“

Um die Merzener Einrichtung wirtschaftlich auf tragfähige Fundamente zu stellen, werden die einzelnen Leistungen (Mietvertrag für Wohnung, Vertrag über ambulante Pflegesachleistungen und Tagespflege sowie allgemeine Versorgungsleistungen) aufgesplittet. Mit jedem Mieter wird ein individueller Vertrag geschlossen, je nach Pflegebedürftigkeit werden die Leistungen vereinbart nach dem Prinzip „So viel Pflege wie nötig, so wenig wie möglich“. Grundsätzlich gilt: Vom Umfang her sind sie mit dem Versorgungskonzept eines Pflegeheims zu vergleichen. Diese etwas komplizierte Aufteilung sei aber erforderlich, erläuterte Geschäftsführer Rudi Fissmann. Anhand von Modellrechnungen zeigte er auf, dass das Geschäftsmodell der Caritas Nordkreis Pflege GmbH eine solidarische Finanzierung unter allen Mietern im Gemeinschaftshaus St. Franziskus beinhalte. Die Berechnung ist nach Fissmanns Worten so aufgestellt, dass sie zu einer annähernd gleichen finanziellen Belastung für alle Mieter führt, unabhängig vom Pflegegrad. Er gehe davon aus, dass das Haus Franziskus relativ schnell belegt sein werde. „Das ist kein klassisches Altenpflegeheim mehr“, fasste Bürgermeister Gregor Schröder die Vorträge zusammen. Dieses Konzept, das richtungsweisend sei, „wird viele Nachahmer finden“, war er überzeugt.

Caritas plant weitere Infoveranstaltung

 
Ihr Hauskonzept will die Caritas Nordkreis Pflege GmbH in Kürze in einer Infoveranstaltung erneut vorstellen, kündigt Rudi Fissmann an.
 
Ein Artikel von Christian Geers / Bersenbrücker Kreisblatt