Anmelden Registrieren Willkommen bei der Samtgemeinde Neuenkirchen...

Samtgemeinde Neuenkirchen auf Flüchtlinge vorbereitet

Neuenkirchen. Die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, ist auch in Merzen, Neuenkirchen und Voltlage sehr groß. Das zumindest lässt sich aus der Beteiligung an einer Infoversammlung der Samtgemeinde Neuenkirchen schließen: Weit mehr als 100 Einwohner besuchten die Veranstaltung im Hermann-Tospan-Haus in Neuenkirchen.

Bevor Bürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay die gut einstündige Veranstaltung im Heimathaus eröffnete, mussten zunächst noch weitere Stühle herangeschafft werden. Mit 60 Besuchern hatte die Verwaltung gerechnet, dass es am Ende fast doppelt so viele wurden, stimmte hinterher nicht nur die Bürgermeisterin zuversichtlich. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir die Integration hier vor Ort schaffen werden“, sagte sie am Schluss. Gleichwohl verschwieg sie nicht, dass die Zuweisung von weiteren Flüchtlingen eine Herausforderung für die gut 10500 Einwohner zählende Samtgemeinde ist.

Verteilung nach dem „Königsteiner Schlüssel“

Der Stand der Dinge: Die Zuweisung von Flüchtlingen erfolgt nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“. In die Berechnung der Aufnahmequote für Bundesländer wie auch Kommunen fließen Steueraufkommen und Bevölkerungszahl mit ein. Jedes Jahr wird dieser Schlüssel neu berechnet, zurzeit muss Niedersachsen neun Prozent aller Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, aufnehmen, das Nachbarland Nordrhein-Westfalen dagegen 21 Prozent.

2015 hat die Samtgemeinde sieben Flüchtlinge aufgenommen. In Merzen leben fünf, in Neuenkirchen elf und in Voltlage drei Flüchtlinge). Weitere 16 Menschen müssen noch untergebracht werden. Für 2016 würden die Zahlen aller Voraussicht nach deutlich steigen, kündigte die Samtgemeindebürgermeisterin an. Laut Prognose des Landkreises Osnabrück müssten in den drei Gemeinden insgesamt 105 Flüchtlinge untergebracht werden. „Ganz genau kann das aber niemand sagen“, so Schwertmann-Nicolay.

Samtgemeinde will keine Massenunterkunft

Bei der Unterbringung der Flüchtlinge und Asylbewerber hält die Samtgemeinde weiter an einer „dezentralen Lösung“ fest. Soll heißen, dass es nach Möglichkeit keine Gemeinschafts- oder Massenunterkünfte geben soll, sondern Wohnungen in den drei Gemeinden angemietet werden. Die Suche, die sich vor einigen Wochen noch recht schwierig gestaltete, hat sich inzwischen entspannt. Dieter Westermann und Helmut Lührmann, in der Verwaltung mit der Wohnungssuche beauftragt, haben inzwischen 15 Wohnungen für etwa 68 Menschen gefunden. „Das ist eine tolle Leistung“, lobte Schwertmann-Nicolay die Mitarbeit der Bevölkerung. Angesichts der prognostizierten Zahlen für 2016 fehlten noch etwa zwölf Wohnungen. Ob die Samtgemeinde Neuenkirchen eigene Unterkünfte für Flüchtlinge baut, wird nach den Worten der Bürgermeisterin derzeit in den politischen Gremien diskutiert.

Notfallplan liegt in der Schublade

Gleichzeitig wies die Verwaltungschefin darauf hin, dass es in der Samtgemeinde – wie auch im Landkreis Osnabrück – einen Notfallplan gebe, sollte die Situation eintreten, dass eine große Zahl von Menschen von jetzt auf gleich untergebracht werden müsse. Entschieden trat sie kursierenden Gerüchten entgegen, dass dann Turnhallen, Schulen oder sogar die Pfarrheime genutzt werden müssten. „Damit ist nicht zu rechnen.“ Der Kreis sorge für diesen Fall vor und bereite Not- und Behelfsunterkünfte vor, „die aber nicht in der Samtgemeinde Neuenkirchen liegen“. Sollte dieser Fall dennoch eintreten, werde die Bevölkerung umgehend informiert. „Da wird nichts im stillen Kämmerlein entschieden“, kündigte sie an.

Das geplante Netzwerk: Bei der Betreuung und Begleitung der Flüchtlinge ist die Samtgemeinde Neuenkirchen auf Hilfe angewiesen. „Das schafft die Verwaltung nicht alleine, da sind wir auf die Unterstützung der Einwohner angewiesen“, sagte die Bürgermeisterin. Das bedeute aber keineswegs, dass die Arbeit komplett auf das Ehrenamt verlagert werde. Es gebe aus dem Rathaus und vom Kreis vielfältige Unterstützung, versprach sie.

Netzwerk soll für Flüchtlinge ein „Türöffner“ sein

Das Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Verwaltung, Vereinen und Verbänden soll nach den Vorstellungen der Kommune für die Flüchtlinge eine Art „Türöffner“ sein. Ziel sei, die Menschen vom ersten Tag an zu betreuen, wie stellvertretende Fachbereichsleiterin Ruth Klaus-Karwisch berichtete. Vorstellbar seien vielfältige Tätigkeitsfelder (Erteilung von Sprachunterricht, Begleitung von Flüchtlingen, Vorbereitung der Wohnungen, Übernahme von Patenschaften, Hausaufgabenhilfe für Kinder in den Schulen). „So können wir hier unsere eigene Willkommenskultur aufbauen“, erläuterte sie. Es sei wichtig, mit den Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, „damit sie uns verstehen und wir sie“. Klaus-Karwisch: „Wenn Sie Ideen und Vorschläge haben, melden Sie sich bei uns.“

Zur Sache

Wer im geplanten Netzwerk mitarbeiten will und konkrete Hilfe anbieten kann, sollte sich bei der Samtgemeinde Neuenkirchen, Telefon 05465/2010, melden. Sie hat einen Kontaktbogen vorbereitet, der in den Gemeindeverwaltungen ausliegt. Das erste Treffen des Netzwerkes ist für Dienstag, 1. Dezember, um 17 Uhr im Rathaus Neuenkirchen angesetzt.

Ein Artikel von Christian Geers / Bersenbrücker Kreisblatt

http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/639526/samtgemeinde-neuenkirchen-auf-fluchtlinge-vorbereitet